Der Verein stirbt leise: Mitmachen statt konsumieren

Ein warmer Morgen im Juli 2025: Tennisbälle fliegen durch die Luft. Kinder flitzen ihnen hinterher. Die Tennisabteilung der SG Sendenhorst hat über 100 Grundschüler eingeladen, die erstmalig zu Schläger und Ball greifen. Die Begeisterung ist den Kindern ins Gesicht geschrieben. Jugendtrainer Jan Rönick macht erste Übungen, Ex-Lehrer und SG-Mitglied Hermann „Jesse“ Greive, der die Veranstaltung organisiert hat, ist ebenfalls mittendrin. Jung und Alt treiben zusammen Sport. „Das ist Verein“, sagt Thomas Rehsöft, Vorsitzender der Tennisabteilung. „Das ist etwas völlig anderes als eine teure Tennisschule oder Sport in einem Fitnessstudio nur zu konsumieren.“

Was auf dem Spiel steht

Das alles steht jetzt auf dem Spiel. Rehsöft leitet die Abteilung seit 10 Jahren. Zu lang, wie er findet. „Zu viele Mitglieder verlassen sich auf ,die da oben‘ im Vorstand bzw. die wenigen, die noch anpacken.“ Da, wo sich Generationen treffen, wo Gemeinschaft entsteht, wo junge Menschen frühzeitig mitentscheiden und mitgestalten können, geht etwas verloren. „Der Verein lebt durch seine Mitglieder“, sagt Rehsöft. „Wir bezahlen die Beiträge nicht, damit andere Gewinne einfahren, sondern damit wir gemeinsam etwas gestalten, das über den Sport hinaus Bedeutung hat.“

Thomas Rehsöft (l.), Vorsitzender der Tennisabteilung der SG Sendenhorst, gibt die Leitung ab. Jan-Lütke Verspohl, Ursula Wessel, Svenja Platz und Ben Teteruck (v. l. n. r.) suchen noch einen Nachfolger.

 

Wenn sich jedoch immer weniger engagieren, fällt zuerst das Angebot weg. Dann bleibt der Nachwuchs aus. Danach die Mitglieder und ohne Mitglieder kein Verein. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, was auf dem Spiel steht“, sagt Rehsöft. Und das ist für die Tennisabteilung eine ganze Menge: Jan Rönick steht als Jugendtrainer nicht mehr zu Verfügung. Ein externer Trainer aus einer Tennisschule springt ein. Der ist deutlich teurer. Der Verein federt die Kosten ab – noch.

130 Mitglieder, aber nur 6 packen mit an

Beim vergangenen Arbeitseinsatz auf der Tennisanlage kamen von 130 Mitgliedern gerade einmal 6 Helfer zusammen. „Und das sind häufig immer die gleichen“, moniert Rehsöft. Er selbst will den Vorsitz abgeben. Ein Nachfolger wurde bislang aber nicht gefunden. Noch ist etwas Zeit bis zur Mitgliederversammlung am 8. Mai 2026. Dann werden die Mitglieder auch darüber diskutieren, Aufgaben künftig auf mehrere Schultern zu verteilen. „Niemand soll sich überfordert fühlen oder dauerhaft allein verantwortlich sein“, sagt Rehsöft. Denkbar sind klar definierte Rollen auf Zeit.

An sonnigen Tagen sind die Tennisplätze voll. Die Anlage muss von den Mitgliedern gepflegt werden. Dazu erklären sich aber immer weniger bereit.

 

Zusätzlich soll eine Arbeitsgruppe entstehen, die sich gezielt mit der Zukunft der Abteilung beschäftigt. „Wie gewinnen wir neue Mitglieder, wie stärken wir die Jugendarbeit, welche Angebote braucht es, damit der Verein wieder mehr Menschen anspricht?“, zählt Rehsöft die wichtigsten Fragen auf. „Der Mitgliedsbeitrag ist keine Eintrittskarte in einen Selbstbedienungsladen. Ein lebendiges Vereinsleben braucht Menschen, die gestalten wollen – für sich und für ihre Mitmenschen.“ Der Tennisabteilung der SG Sendenhorst geht es darum, gemeinsam dafür zu sorgen, dass das, was ihren Verein ausmacht, erhalten bleibt und sich weiterentwickelt.